von Thorsten Storck

Vor eineinhalb Jahren erfüllte ich mir einen Traum und kaufte mir ein Stand-up-Paddleboard. Seitdem verging kaum ein sonniges Wochenende, an dem ich mit dem Brett nicht auf Neckar oder Rhein unterwegs war. Und im Urlaub am Mittelmeer war das Brett im Dauereinsatz. 

Wenn ich heute zurückblicke fällt mir auf, dass ich, seit ich mit dem Brett unterwegs bin, deutlich glücklicher bin. Das ist natürlich subjektiv, aber beim Glücklich sein ist es nun mal allein das subjektive Empfinden, auf das es ankommt. Dabei war ich vorher nicht unglücklich, ganz im Gegenteil, und ich hatte auch vorher schon Hobbies, die mich faszinierten. Umso erstaunlicher für mich dieses eindeutige Plus an Glücklich sein.  

Und damit bin ich nicht allein. Das entnehme ich den leuchtenden Augen anderer Stand-up-Paddler, wenn sie von ihren Touren berichten. Auch manche Websites zum Thema Stand-up-Paddling bringen es auf den Punkt: SUP macht glücklich!  

Aber wie kann denn das Paddeln auf einem Brett eine solch positive Auswirkung haben?
Für mich liegt das Geheimnis des Stand-up-Paddling in der genialen Kombination von drei Elementen, die uns, jedes für sich, tief in unserem ursprünglichen Sein ansprechen:

Ganzheitliche Bewegung
Die Bewegung, mit der du dein Brett vorantreibst, ist eine ausgesprochen ganzheitliche. Sie erfordert das Zusammenspiel sämtlicher Muskeln in deinem Körper, einschließlich der tiefliegenden Schichten der Rumpfmuskulatur (Core), mit deinem Gleichgewichtssinn.  

Der menschliche Körper wurde seinerzeit nicht für die Büroarbeit entwickelt, sondern fürs Laufen und Jagen, und kann daher erstaunlich komplexe Bewegungen koordinieren. Beim Stand-up-Paddling nutzt du diese Gabe umfassend, setzt deinen Körper gemäß seiner Fähigkeiten ein und erfüllst damit ein tief in dir verwurzeltes Bedürfnis. 

Verbundenheit zur Natur
Du erfährst die Naturgewalt des Wassers. Auf einem Fluss oder auf dem Meer bist du Strömungen und Wellen ausgesetzt. Dein Spielplatz ist ständig in Bewegung und erfordert permanentes Reagieren. Im Laufe der Zeit lernst du dich immer sicherer in diesem Element zu bewegen. Wenn dein Körper nach einiger Übung die Bewegungen und Manöver zunehmend autonom, ohne Nachzudenken, durchführt, bist du ganz eng mit dieser Naturgewalt verbunden. Ein wunderbar erdendes Erlebnis, das die Themen des Alltags komplett ausblendet. 

Abenteuerlust
Du stellst dich elementaren Herausforderungen, erlebst Abenteuer. Schaffst du es durch die Stromschnelle? Kannst du auf dem Fluss wirklich bis zur nächsten Stadt paddeln? Traust du dir das zu, selbst bei diesem Wasserstand? Du wirst herausgefordert. Nur du und der Fluss. Du brauchst Mut. Musst dich entscheiden. Ja oder nein. Du paddelst los. Es gibt kein Zurück. Du setzt alles ein, dein Können, dein Wollen, deine Kraft. Und du schaffst es. Dein Sieg – ein kleiner Ritterschlag der Natur.  

Abenteuerlust ist individuell mehr oder weniger ausgeprägt, doch sie gehört zu unserer Grundausstattung. Daher brauchen wir Abenteuer. Beim Stand-up-Paddling können wir sie erleben. Oft reicht auch ein Abenteuerchen. Nicht jeder muss den Colorado River auf dem Brett hinunterreiten. Zu deiner eigenen Sicherheit solltest du nur dorthin paddeln, von wo du dich selbst jederzeit auch schwimmend, ohne Brett, in Sicherheit bringen kannst. 

Beim Stand-up-Paddling nutzen wir also unseren Körper und Geist im Einklang mit unseren ursprünglichen Anlagen. Das ist zutiefst erfüllend und macht uns glücklich.

Vieles des Gesagten trifft auch für das Surfen (Wellenreiten) zu, das ebenfalls über erhebliches Suchtpotential verfügt. Die große Hürde beim Surfen ist, daß man dazu Wellen braucht und ans Meer muss und das geht für die Meisten nur im Urlaub.

Im Gegensatz dazu kann man Stand-up-Paddling auf nahezu allen Gewässern ausüben und hat somit kurze Anfahrtswege. So lassen sich Touren auch leicht am Wochenende oder gar nach Feierabend einschieben. Wir können also unser dazugewonnenes Glücklich sein regelmäßig in unseren Alltag integrieren, den es für uns und die Menschen um uns herum schöner macht.

Stand-up-Paddeln macht nicht nur aktiv, sondern auch passiv glücklich. Wenn ich in Heidelberg auf dem Neckar unterwegs bin, blicke ich am Ufer in die erfreuten Gesichter der Spaziergänger. Das ist wirklich toll, denn so kann ich ein Stückchen von meinem Glück teilen. Wenn mich mein Golden Retriever auf dem Brett begleitet kann sich kaum einer ein Lächeln verkneifen.

Nun versuche mal dir vorzustellen wie das ist, wenn du in der Adventszeit den Weihnachtsmann über das Wasser laufen siehst! Spätestens dann ist auch deine Aufmerksamkeit geweckt. Und der SUP-Weihnachtsmann blickt in große Kinderaugen, erfährt die Weihnachtswünsche von Groß und Klein und bekommt vielleicht sogar ein Weihnachtslied vorgesungen! Ho, ho, ho!

Vielleicht ist er ja auch dieses Jahr wieder auf dem Neckar in Heidelberg zu sehen, halte die Augen offen, wer weiß!

Ich wünsche dir eine frohe Weihnachtszeit und paddel Dich glücklich! 

Dein Thorsten

Fotos: Jonathan Storck