von Tine Bielecki

Kinder Yoga

Als ich das erste Mal nach der Geburt meiner Tochter in einer Yogaklasse war – keiner Online-Stunde auf yogaeasy, keiner Eigenpraxis im Wohnzimmer, und auch keiner Mama-Baby-Yoga-Stunde, sondern einer für Erwachsene mit richtigen echten Schülern und einer richtigen Yogalehrerin, die mich anfassen konnte –, hab ich gedacht:

„Ach, wie schön. Ich bin wieder da. Ich komme wieder öfter. Es geht wieder los.“

Und dann zogen doch vier Wochen bis zum nächsten Mal ins Land. Meine baby-freien Stunden gingen anders drauf, entweder musste ich selbst Yoga unterrichten oder sonst irgendetwas vorbereiten oder organisieren.

Vor meiner Schwangerschaft war ich mindestens fünf Mal in der Woche im Yogaunterricht. An den anderen Tagen übte ich zuhause. Als Mama habe ich trotzdem den Eindruck, Yoga täglich zu üben. Man braucht nicht immer Asanas und schweißtreibenden Yogaunterricht dazu.
Zum einen erinnert so ein kleiner Mensch einen ständig daran, was wirklich wichtig ist. Das klingt so abgedroschen, ich weiß. Aber es ist doch so wahr. Babys und Kinder sind so einfach glücklich zu machen. Es braucht nicht viel, um sie zum Lachen zu bringen. Es braucht nicht viel, um sie zu begeistern.

Das ist Yoga.

Zu erkennen, dass wir nicht viel brauchen, um rundum zufrieden zu sein.

kinder yoga

Kürzlich habe ich bei der Yogalehrerin und bald Zweifach-Mama Nicole Bongartz unter einem Instagram-Foto diese tollen Sätze gefunden:

„Als ich ein kleines Kind war, habe ich immer gedacht, die Erwachsenen wären perfekt. Sie wussten alles und machten nie etwas falsch. Heute weiß ich, dass es umgekehrt ist, die Kinder sind die Perfekten von denen wir noch lernen können.“

Das spricht mir ganz aus der Seele. Das ist das, was ich täglich denke. Ich glaube manchmal, wenn wir Erwachsenen wieder ein bisschen mehr Kind sein könnten, ist das Yoga.

Im ersten Jahr als Mama habe ich oft an mein altes Leben gedacht. Wie oft habe ich mir gewünscht, wieder mehr Sport treiben zu können, etwas „für mich“ zu machen. Ich habe diese Gedanken immer wieder ganz schnell abblitzen lassen. Weil die Zeit mit meinem Kind ist „für mich“. Was gibt es besseres?

Ich weiß, dass ich mir später nie die Frage stellen werde, warum ich nicht mehr Sport, mehr Yoga gemacht habe oder warum ich nicht mehr Zeit für meine Frisur oder meine Fingernägel aufgewendet habe. Ich hoffe, dass ich mir nie vorwerfen muss, zu wenig Zeit mit meinem Kind verbracht zu haben.

Trotzdem hat man die natürlich, die Momente, wenn alles – auch der Yogalehrerinnen-Geduldsengel-Schein – zusammenzubrechen droht. Wenn man alles hinschmeißen könnte und sich am liebsten verkriechen würde, genug von Windeln hat.

Dann besinne ich mich aber kurze Zeit später wieder, ich weiß, dass ich mich nur in Geduld üben muss und dass ich jeden Moment mit kleinem Kind auskosten muss, weil kein Moment zurückkommt.

Im Yoga spricht man von Verhaltensregeln als Yamas und Niyamas, wobei sich die Yamas auf das Verhalten anderen gegenüber und die Niyamas auf das Verhalten sich selbst gegenüber beziehen. Mein Lieblings-Niyama ist Samtosha. Es heißt so viel wie, zu akzeptieren, was gerade ist. Zufrieden zu sein, mit dem was ist oder wie man ist.

Wenn ich mit meiner Tochter spiele, oder zusammen mit meinem Mann und ihr Spaziergänge mache, dann fällt mir ein, dass alles okay ist. Ehrlich gesagt, ist es sogar besser als okay. Seit ich Mama bin, habe ich sogar ständig diese Momente der Erleuchtung. Wirklich! Erleuchtung – was ist das überhaupt?

Meiner Meinung nach ist das, totale Glücksmomente bewusst wahrzunehmen. Das klappt häufig zusammen mit so einem kleinen Lebewesen. Ich lerne ganz schön viel. Nicht mehr so viele neue Asanas seit ich Mama bin, aber anderes Yoga. Das ist spannend, manchmal sehr anstrengend, manchmal sehr stimmungshebend, überraschend und inspirierend.

Wie eine gute Yogaklasse eben!

Namasté

Deine Tine

PS: Yoga mit Baby geht übrigens auch! Meine Tochter fand es von Anfang an lustig, neben mir auf einer Yogamatte herumzuturnen. Ihre Lieblings-Spieldecke war von Anfang an die Yogamatte.

Kinder yoga